Adalbert Riehl

Geschichte der Dörfer

Die Geschichte von Bayerdilling und Wächtering reicht weit in die Frühzeit bayerischer Besiedlung zurück. Beide Dörfer am unteren Lechrain zählen zu den ältesten Siedlungen der Region – und ihre Vergangenheit spiegelt in vielerlei Hinsicht die große Geschichte Bayerns im Kleinen wider.

Siedlungsanfänge im frühen Mittelalter

Bayerdilling und Wächtering sind echte -ing-Dörfer, deren Gründung auf die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts zurückgeführt wird. Die Endung auf -ing ist ein verlässliches sprachliches Zeichen für Ortschaften, die im Zuge der Landnahme durch die Bajuwaren entstanden – benannt zumeist nach dem Stammvater oder Sippenführer der ersten Siedler. Bayerdilling dürfte seinen Namen vom Personennamen „Tilin" oder einer verwandten Form ableiten; Wächtering folgt demselben Muster.

Die erste urkundliche Erwähnung lässt sich auf das Jahr 1147 datieren, als ein Fridericus de Tylingen in einem Dokument des Klosters Indersdorf genannt wird. Diese frühe Nennung belegt, dass die Siedlung bereits in der Hochmittelalterlichen Zeit als eigenständige Gemeinschaft wahrgenommen wurde.

Die Pfarrei und die Kirche St. Michael

Bayerdilling besaß seit alters her eine eigenständige katholische Pfarrei – ein Zeichen seiner relativen Bedeutung in der Region. Die dem Erzengel Michael geweihte Dorfkirche ist das bauliche Herzstück des Ortes. Der spätgotische Chor ist der älteste erhaltene Teil des Gotteshauses. Das Kirchenschiff wurde nach seiner Zerstörung im Jahr 1704 – einem der blutigsten Kapitel des Spanischen Erbfolgekriegs in Bayern – im Jahr 1747 neu errichtet. Der Turm erfuhr eine grundlegende Erneuerung im Jahr 1874.

Wächtering gehörte stets als Filialkirche zur Pfarrei Bayerdilling, ein Band, das die beiden Dörfer über Jahrhunderte kirchlich und gesellschaftlich verknüpfte.

Der untere Lechrain – eine historisch bedeutsame Landschaft

Beide Dörfer liegen eingebettet in die Landschaft des unteren Lechrains, jener weitgespannten Kulturlandschaft beiderseits des Lechs, die der Historiker Franz Dionys Reithofer 1821 als „Inbegriff aller Landschaft an beiden Seiten des Lechufers" beschrieb. Der Lech war über Jahrhunderte nicht nur eine natürliche Grenze, sondern auch eine wichtige Handels- und Verkehrsader.

Die nahe gelegene Stadt Rain am Lech, zwischen 1248 und 1257 von den Wittelsbacher Herzögen gegründet, prägte als Verwaltungs- und Handelszentrum das Leben der umliegenden Dörfer maßgeblich. Zoll, Gericht und herzogliche Verwaltung lagen in Rain – wer aus Bayerdilling oder Wächtering Rechtsgeschäfte zu erledigen hatte, war auf diese Stadt angewiesen.

Vom Dreißigjährigen Krieg bis ins 19. Jahrhundert

Die Region litt, wie ganz Bayern, unter den verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) sowie der Wirren des Spanischen Erbfolgekriegs. Bevölkerungsverluste, Brandschatzungen und wirtschaftlicher Niedergang hinterließen tiefe Spuren. Die Wiederherstellung der Bayerdillinger Kirche Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein sichtbares Zeugnis dieser langsamen Erholung.

Mit den Reformen der Reformationszeit und Säkularisation (1803) veränderte sich auch in dieser Gegend die kirchliche und soziale Ordnung grundlegend. Klöster, die über Jahrhunderte Grundbesitz und damit wirtschaftliche Macht auf dem Land ausgeübt hatten, verloren ihre Güter.

Quellen und weiterführende Literatur

Wer sich eingehender mit der Geschichte der Region beschäftigen möchte, findet in der Bayerischen Bibliographie sowie im GenWiki nützliche Ausgangspunkte für genealogische und historische Recherchen. Die vollständige und detaillierte Darstellung der Dorfgeschichten bietet die Ortschronik Bayerdilling und Wächtering – Geschichte zweier Dörfer am unteren Lechrain von Adalbert Riehl (1998), auf deren Grundlage diese Website entstanden ist.

Stimmen der Leser

“Adalbert Riehls Chronik ist ein unverzichtbares Nachschlagewerk für jeden, der die Geschichte des unteren Lechrains verstehen möchte. Die sorgfältige Quellenarbeit und die lebendige Darstellung machen das Buch zu einem Schatz der regionalen Geschichtsschreibung.”

Marianne Huber
Heimatpflegerin, Landkreis Donau-Ries

“Dank dieser Website konnte ich die Vorfahren meiner Familie in Bayerdilling bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Die online gestellten Quellen sind für die Ahnenforschung im Lechrain absolut unersetzlich.”

Georg Stemplinger
Genealogischer Forscher, Rain am Lech

“Eine mustergültige Dorfchronik – wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig für ein breites Publikum verständlich geschrieben. Herr Riehl hat der Region ein bleibendes Denkmal gesetzt.”

Dr. Elisabeth Mayr
Historikerin, Universität Augsburg