Bayerischer Feiertagskalender
Bayern ist das feiertagsreichste Bundesland Deutschlands – mit dreizehn gesetzlichen Feiertagen im Jahr bietet der Freistaat einen Kalender, der tief in der religiösen und volkskundlichen Tradition verwurzelt ist. Für die Region um Rain am Lech, das untere Lechrain, kommt dabei eine besondere Prägung hinzu: die stark katholische Bevölkerungsstruktur dieser Gegend hat über Jahrhunderte einen lebendigen Festtagsbrauch hervorgebracht, der weit über die bloßen gesetzlichen Regelungen hinausgeht.
Gesetzliche Feiertage in Bayern
Die dreizehn gesetzlichen Feiertage Bayerns sind:
| Datum | Feiertag |
|---|---|
| 1. Januar | Neujahr |
| 6. Januar | Heilige Drei Könige (Epiphanie) |
| Variabel | Karfreitag |
| Variabel | Ostermontag |
| 1. Mai | Tag der Arbeit |
| Variabel | Christi Himmelfahrt |
| Variabel | Pfingstmontag |
| Variabel | Fronleichnam |
| 15. August | Mariä Himmelfahrt* |
| 3. Oktober | Tag der Deutschen Einheit |
| 1. November | Allerheiligen |
| 25. Dezember | 1. Weihnachtstag |
| 26. Dezember | 2. Weihnachtstag |
*Mariä Himmelfahrt gilt in Bayern als gesetzlicher Feiertag in überwiegend katholischen Gemeinden – was auf nahezu alle Dörfer des Lechrains zutrifft.
Kirchliche Feste und regionale Bräuche
Das Kirchenjahr am unteren Lechrain
Im ländlichen Lechrain folgte das Leben der Menschen jahrhundertelang dem Rhythmus des Kirchenjahres. Mit dem Advent begann die Zeit der Besinnung und Erwartung. Rorate-Messen in der Dunkelheit der Frühe, Nikolausumzüge und das Weihnachtsbrauchtum prägten den Winter.
Der Dreikönigstag (6. Januar) hatte im Lechrain besondere Bedeutung: Sternsingergruppen zogen von Haus zu Haus, schrieben die Segensformel „C+M+B" über die Türen und sammelten für wohltätige Zwecke. Dieser Brauch ist in der Region bis heute lebendig.
Fasching und Vorösterliche Zeit
Der Fasching war in den Dörfern rund um Bayerdilling und Wächtering ein volkskulturelles Ereignis mit Tanz, Mummenschanz und dem rituellen Abschied vom Fleischgenuss vor der Fastenzeit. Mit dem Aschermittwoch begann der Ernst: Fastenpredigten, Kreuzwegandachten und die Stille vor dem Hochfest.
Ostern – Höhepunkt des Kirchenjahres
Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag bildeten die höchste Zeit im Kirchenjahr. Die Osterfeuer auf den Höhen rund um Rain am Lech – ein vorchristlicher Brauch, der ins Christliche umgedeutet wurde – leuchten noch heute. Das Osterlamm als Festmahlzeit und die Flurprozessionen am Ostermontag gehörten zum festen Brauchtum der Pfarreien.
Fronleichnam und die Sommerfeste
Fronleichnam ist im Lechrain ein Fest von besonderem Glanz: Prozessionen durch blumengeschmückte Straßen, aufwendig gestaltete Altäre an den Hauswänden und der feierliche Umzug der gesamten Pfarrgemeinde. In Bayerdilling und Wächtering, beides alte Kirchendörfer, war dieses Fest stets ein gemeinschaftliches Ereignis von hohem Stellenwert.
Mariä Himmelfahrt (15. August) ist im Lechrain mit dem schönen Brauch der Kräuterweihe verbunden: Sträuße aus Heilkräutern, Getreidepflanzen und Wiesenblumen wurden in der Kirche gesegnet und anschließend im Haus aufbewahrt – als Schutz vor Unwetter und als Hausapotheke der einfachen Leute.
Herbst und die Tage der Toten
Mit Allerheiligen (1. November) und dem folgenden Allerseelentag begann im Lechrain die stille Jahreszeit. Die Gräber wurden mit Lichtern und Chrysanthemen geschmückt, Seelenmessen wurden für die Verstorbenen der Familie gelesen. Dieser Brauch spiegelt die tiefe Verwurzelung der Region im volksfromm-katholischen Leben wider.
Lokale Patronats- und Kirchweihfeste
Neben den allgemeinen kirchlichen Feiertagen prägten die Kirchweihfeste (Kirchweihen oder „Kirtagen") und Patrozinien den lokalen Festkalender. Jede Pfarrei feierte den Tag ihres Schutzpatrons mit Gottesdienst, Prozession und anschließendem Volksfest. Diese Termine variierten von Dorf zu Dorf und schufen ein dichtes Netz regionaler Feiertage, das den bäuerlichen Jahreskreis strukturierte.
Zur Volkskultur des Lechrains findet sich wertvolles Quellenmaterial bei Carl Freiherr von Leoprechting, der im 19. Jahrhundert Bräuche und den „Bauernkalender" der Region dokumentierte. Weitere Informationen zu den gesetzlichen Feiertagen Bayerns stellt das Bayerische Staatsministerium des Innern bereit. Die Geschichte der Pfarreiengemeinschaft Rain bietet zudem die Pfarreiengemeinschaft Rain auf ihrer Website.