Adalbert Riehl

Bayerischer Feiertagskalender – Gesetzliche Feiertage in Bayern

· Adalbert Riehl
Bayerischer Feiertagskalender – Gesetzliche Feiertage in Bayern

Bayern ist das einzige Bundesland in Deutschland mit 13 gesetzlichen Feiertagen — und diese Besonderheit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Jahrhunderte alten Verbindung von Staatlichkeit, Kirche und gelebtem Brauchtum. In einem zutiefst katholisch geprägten Landstrich wie dem unteren Lechrain, zu dem auch die Dörfer Bayerdilling und Wächtering gehören, haben diese Feiertage nicht nur rechtliche Bedeutung — sie strukturieren seit Generationen den Rhythmus des Jahres, das Gemeindeleben und die bäuerliche Arbeitswelt.

Die rechtliche Grundlage: Das Bayerische Feiertagsgesetz

Die gesetzliche Grundlage bildet das Gesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage (Feiertagsgesetz – FTG) vom 21. Mai 1980. Es regelt nicht nur, welche Tage als Feiertage gelten, sondern auch deren besonderen Schutz: Öffentlich bemerkbare Arbeit, die den Feiertagsfrieden stört, ist untersagt. Das Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration führt zudem die Liste der Gemeinden, in denen Mariä Himmelfahrt als gesetzlicher Feiertag gilt — eine bayerische Besonderheit, die es in keinem anderen Bundesland gibt.

Eine vollständige Übersicht der für Bayern zuständigen Behörden und geltenden Regelungen findet sich beim Bayerischen Staatsministerium des Innern.

Die kirchlichen Hochfeste im Jahreskreis

Dreikönigstag – 6. Januar

Während in den meisten deutschen Bundesländern der 6. Januar ein ganz normaler Werktag ist, haben Bayerns Schüler und Arbeitnehmer an Dreikönig frei. Bayern gehört neben Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt zu den wenigen Ländern, die das Hochfest der Erscheinung des Herrn gesetzlich schützen.

Theologisch meint Epiphanie die Offenbarung Gottes in der Welt — die Anbetung der Weisen, die Taufe Jesu und das Wunder in Kana sind die drei Aspekte, die das Fest verbindet. In der Volksfrömmigkeit des ländlichen Bayern hat sich der Dreikönigstag als eigenständiger kultureller Höhepunkt des Winters etabliert. Die Sternsinger — als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidete Kinder — ziehen von Haus zu Haus und sammeln Spenden für Hilfsprojekte weltweit. Der Brauch reicht weit ins Mittelalter zurück.

Karfreitag und Ostermontag

Die Osterzeit bildet das Herzstück des christlichen Kirchenjahres. Karfreitag, der Tag der Kreuzigung Jesu, ist in Bayern einer der sogenannten „stillen Tage" — öffentliche Tanzveranstaltungen und laute Unterhaltung sind gesetzlich verboten. Ostermontag schließt als beweglicher Feiertag die Osterfeierlichkeiten ab. Da sich Ostern nach dem ersten Vollmond nach der Frühlingstagundnachtgleiche richtet, schwanken die Termine von Jahr zu Jahr erheblich.

Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag

Vierzig Tage nach Ostern feiert die Kirche die Himmelfahrt Christi — in Deutschland volkstümlich auch als Vatertag bekannt, was zu einer eher weltlichen Begehung geführt hat. Zehn Tage später folgt Pfingsten, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Pfingstmontag ist in Bayern ebenso gesetzlicher Feiertag wie in allen anderen Bundesländern.

Fronleichnam

Fronleichnam — der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen vrôn lîchnam (des Herrn Leib) ab — fällt auf den 60. Tag nach Ostern. Das Hochfest der Eucharistie ist besonders im ländlichen Bayern ein großes Ereignis: Prozessionen mit Feldaltären und kunstvoll gelegten Blumenteppichen prägen das Bild in vielen Gemeinden. In Bayerdilling und den umliegenden Dörfern war die Fronleichnamsprozession über Jahrhunderte ein zentrales Gemeinschaftsereignis.

Mariä Himmelfahrt – 15. August

Hier gilt in Bayern eine einzigartige Regelung: Mariä Himmelfahrt ist nur in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung ein gesetzlicher Feiertag. Das Bayerische Landesamt für Statistik führt diese Gemeinden in einer Liste — die überwiegende Mehrheit des Freistaats, darunter nahezu alle Dörfer des Lechrains, gehört dazu.

Das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel lässt sich theologisch bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Im bayerischen Brauchtum ist es untrennbar mit der Kräutersegnung verbunden: Zum „großen Frauentag" binden Frauen kunstvoll Kräutersträuße aus Johanniskraut, Baldrian, Kamille und Wermut, die dann in der Kirche gesegnet werden. Die geweihten Kräuter sollen Haus und Hof schützen. Dieser Brauch ist in Dörfern des Lechrains bis heute lebendig.

Die Verbindung Bayerns zur Gottesmutter reicht bis 1616 zurück, als Herzog Maximilian I. Maria zur offiziellen Patronin des Landes erklärte — ein Schritt, der bis heute Spuren im bayerischen Festkalender hinterlässt.

Allerheiligen – 1. November

Den Abschluss der kirchlichen Feiertage im Jahreskreis bildet Allerheiligen am 1. November. Während es in den meisten norddeutschen Bundesländern kein gesetzlicher Feiertag ist, gilt es in den traditionell katholischen Regionen Süddeutschlands als wichtiger Gedenktag. Die Pflege der Gräber und der Gang auf den Friedhof gehören in Bayerdilling und Wächtering zum festen Bestandteil des Novemberbeginns.

Die staatlichen Feiertage

Neben den kirchlichen Hochfesten kennt der bayerische Kalender auch säkulare Feiertage, die bundesweit gelten:

  • Neujahr (1. Januar) — der erste Tag des neuen Kalenderjahres
  • Tag der Arbeit (1. Mai) — seit 1890 internationaler Arbeiterfeiertag, seit 1933 gesetzlicher Feiertag in Deutschland
  • Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) — erinnert an die Wiedervereinigung 1990
  • 1. und 2. Weihnachtstag (25./26. Dezember) — das Weihnachtsfest als staatlich geschützter Doppelfeiertag

Eine Besonderheit: Das Augsburger Friedensfest

Wer genau hinschaut, entdeckt noch eine weitere bayerische Eigenheit: In der Stadt Augsburg gilt der 8. August als zusätzlicher gesetzlicher Feiertag — das Augsburger Friedensfest erinnert an den Augsburger Religionsfrieden von 1555. Es ist der einzige rein kommunale gesetzliche Feiertag in ganz Deutschland.

Feiertage als Spiegel der Ortsgeschichte

Wer die Liste der bayerischen Feiertage liest, liest zugleich ein Stück Landesgeschichte. Die starke Präsenz kirchlicher Hochfeste spiegelt die tiefe Verwurzelung des Freistaats im katholischen Glauben wider — eine Prägung, die in Dörfern wie Bayerdilling nicht erst im 20. Jahrhundert begann, sondern sich über Jahrhunderte schrittweise aufgebaut hat. Kirchenpatrone, Wallfahrten, Prozessionen und Festgottesdienste schufen jene Rhythmen des Jahres, die sich in den Feiertagsregelungen bis heute erhalten haben.

Wer sich tiefer mit der Geschichte dieser Region beschäftigt, wird in den Kirchenbüchern und Ortschroniken immer wieder auf diese Feste stoßen — als Orientierungspunkte in den Aufzeichnungen, als Termine von Hochzeiten und Taufen, als Markierungen im bäuerlichen Arbeitsjahr.


Quellen und weiterführende Informationen: